Suisen Shuzo
 
Sake als Symbol der Hoffnung und der Tatkraft

Die Ereignisse des 11. März 2011 werden uns allen immer in Erinnerung bleiben. Damals war eine Naturkatastrophe diesen Ausmaßes kaum vorstellbar. Rikuzentakata war gerade damit beschäftigt, die Folgen eines mit 9.0 auf der Richterskala äußerst heftigen Erdbebens zu begreifen, als in der Nähe von Imaizumi, ungefähr 2 Kilometer vom Meer entfernt, eine der besten Sake Brauereien des Landes von einer riesigen Tsunami-Welle weggeschwemmt wurde. Die Suisen Shuzo Co. hatte bis dahin regelmäßig die angesehensten Sake Wettbewerbe der Region und des Landes gewonnen. Ihr Eigentümer Yasuhiko Konno war sich sicher, dass seine Brauerei einen eventuellen Tsunami nicht fürchten müsste. Er sollte sich irren. An diesem Tag rollte ein Tsunami von bis dato nicht gekannter Größe über die Region hinweg und zerstörte neunzig Prozent aller Haushalte in Imaizumi, darunter auch die Sake Brauerei des Herrn Konno. An diesem 11. März 2011 schien die Existenz der Suisen Shuzo Co. mit ihrer mehr als 200 jährigen Tradition ausgelöscht zu sein.

Der Traum vom Wiederaufbau entsteht

Am Anfang war sich Herr Konno nicht sicher, ob er die Brauerei wieder aufbauen sollte. Wie könnte eine Brauerei an einem Standort existieren, an dem sämtliche Infrastruktur zerstört wurde? Doch er fühlte seine Verantwortung für seine Angestellten und gegenüber der japanischen Kultur. Er war sich sicher, dass sein Sake ein Teil von Japans kulturellem Erbe ist und somit weiter existieren muss. Auch seinen Angestellten wollte er eine Zukunft bieten.  Viele Briefe mit unterstützenden Worten und finanzielle Hilfen erreichten die Verantwortlichen der Brauerei. Also wurde der Plan geschmiedet, die Brauerei wieder aufzubauen. Nach vielen sehr konstruktiven und erfolgreichen Gesprächen mit den Behörden und der Konkurrenzbrauerei Iwate Meijo Corp. war der Weg klar und der Erfolg sollte allen Beteiligten Recht geben.
Weltweite Unterstützung für die Sake Industrie in Iwate

Der amerikanische Sakeblogger und Betreiber des New Yorker Sake-Shops UrbanSake.com,  Timothy Sullivan, war im Rahmen einer Hilfsaktion im September 2011 direkt in der Region. Organisiert wurde diese zweiwöchige freiwillige Hilfe durch Action for Japan UK und das Japan Affairs Forum. Neben Stationen bei bekannten Brauereien wie Niizawa und Urakasumi, besuchte er bei seinem Aufenthalt in Japan auch die Suisen Brauerei an ihrem provisorischen Standort. Bei seinem Zusammentreffen mit dem Präsidenten Herrn Konno war er zutiefst von dessen persönlicher Art und dem unfassbaren Willen, die Brauerei wieder aufzubauen, fasziniert. Jedoch sah er auch, dass 6 Monate nach der Katastrophe die Zerstörung der Region noch unübersehbar war.
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In der Not helfen auch Konkurrenten einander 

In der Zeit direkt nach dem Unglück durfte Suisen die Produktionsstätten der Iwate Meijo Corp. in Ichinoseki benutzen, um weiterhin Sake mit der Suisen Charakteristik zu brauen. Meijo sicherte zu, dass die Anlagen solang benutzt werden dürften, wie es nötig sei. Daraus sollten nur 3 Jahre werden. Dass ein Unternehmen seinem direkten Konkurrenten hilft, eine so schwere Zeit zu überstehen, ist wohl einzigartig. Yorihiko Oikawa, Präsident der Meijo Corp., vertrat den Standpunkt, dass wenn ein erstklassiger Repräsentant der Region wie Suisen Shuzo Co. verschwindet, die Gefahr besteht, dass andere Brauereien auch in Mitleidenschaft gezogen werden. So entschied man sich, seiner gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden und Suisen Shuzo Co. zu helfen.
Fast wieder daheim - Suisen in Ōfunato

Ende 2013 wurden die neuen Produktionsstätten in Ōfunato fertiggestellt und im Januar 2014 begann der Brauprozess erstmals wieder mit heimischen Rohstoffen am fast alten Standort. Somit erfüllte sich der Wunsch des Herrn Konno, dem Suisen Sake wieder ein neues Zuhause in der alten Heimat zu geben. Viele seiner Kunden sind ihm und seinen Mitarbeitern für dieses wirklich außergewöhnlich harte Stück Arbeit sehr dankbar und merken in jedem Schluck einen kleinen Teil der Anstrengungen aller Beteiligten.

Die Suisen Shuzo Brauerei an ihrem alten Standort / Copyright Suisen Shuzo Co.

Suisen Shuzo Co. nach der Zerstörung / Copyright Suisen Shuzo Co.

Es folgte ein schwerer Weg hin zur Normalität. So mussten die Produktionsprozesse an die neue Arbeitsstätte angepasst und der Bezug von Reis neu organisiert werden. In der Region gab es zwischenzeitlich keine Produzenten für Reis, da jede Infrastruktur zerstört war. Seit Anfang 2013 kommt Suisen Shuzo langsam wieder zurück zur Normalität. In der Nachbarstadt Ōfunato wurde zusammen mit der bekannten Sake Brauerei Yukikko eine neue Produktionsstätte errichtet. Der ursprüngliche Standort der Brauerei war in Folge des furchtbaren Unglücks vom 11. März 2011 unbebaubar. Langsam stiegen die Produktionsmengen wieder an. Auch der heimische Reis und das lokale Bergquellwasser sollen wieder die Basis des Suisen Sake werden. Denn nur so kann in den Augen der Brauerei ein authentischer Sake erzeugt werden. Im Oktober 2013 war es dann soweit: die Reisbauern der Region Rikuzentakata ernteten erstmals nach dem Tsunami wieder Reis. 2 Tonnen dieser Ernte wurden benutzt, um original Suisen Sake herzustellen.

Mitarbeiter der Suisen Shuzo Co in den provisorischen Produktionsstätten / Copyright UrbanSake.com T. Sullivan

Yasuhiko Konno und Timothy Sullivan / Copyright UrbanSake.com T. Sullivan

Suisen am neuen Standort Ōfunato / Copyright Suisen Shuzo Co.

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